Abschiebetragödie zerstört Familie und treibt jungen Roma zum Suizidversuch

10/12/2010 21:54 0 Kommentar

familie3Am 2. Dezember 2010, einige Tage vor den geplanten Abschiebungen am 7. und 9. Dezember nach Kosovo und Serbien, versucht sich der 22-jährige Miroslav R. in seiner Zelle zu erhängen. Er saß in der JVA Billwerder in Hamburg in Abschiebehaft und befürchtete seine unmittelbar bevorstehende Abschiebung. Der Hintergrund dieses Vorfalls liegt aber viel weiter zurück.

Im Jahr 1992 beantragte seine Familie erstmalig Asyl in Hamburg. Als der Antrag abgelehnt wurde, tauchte die Familie unter und versuchte es Monate später erneut unter einem falschen Namen. Auch dieser Antrag wird abgelehnt, die Familie lebt aber noch jahrelang als Geduldete in Syke in Niedersachsen. Die Lebensbedingungen sind erbärmlich. Die Familie lebt mit anderen Flüchtlingen in einem ehemaligen Gasthaus. Das Dach ist undicht, die Wände feucht und durchlöchert. Es gibt dort Ratten und die Familie teilt sich ein Badezimmer mit sechs anderen Familien. Miroslavs Vater Milos protestiert gegen die elenden Bedingungen, bittet mehrfach um eine Erlaubnis sich Arbeit und eine andere Wohnung nehmen zu dürfen. Ohne Erfolg.

Irgendwann erfährt die Ausländerbehörde von den falschen Namen und klärt die Identität der Familie. Es droht die schnelle Abschiebung nach Serbien. Vor lauter Verzweiflung geht der Vater zum Rathaus, übergießt sich mit Benzin und zündet sich selbst an. Einen Tag später, am 16. November 2002 stirbt der nur 34-jährige im Krankenhaus an seinen Verletzungen und hinterlässt seine Frau mit fünf Kindern.

Die Behörde hält trotzdem an den Abschiebeplänen für die Familie fest. Die Witwe und ihre Kinder werden 2004 nach Serbien abgeschoben. Miroslav ist damals 16 Jahre alt.

In Serbien können die Kinder nicht weiter zur Schule gehen, leben mit ihrer Mutter in extremer Armut und rassistischer Ausgrenzung. Medizinische Versorgung muss hier von ihnen aus eigener Tasche bezahlt werden. Ende 2010 werden bei Miroslavs Mutter Tumore entdeckt.

Miroslav beschließt im Oktober 2010 heimlich wieder nach Deutschland einzureisen. Er findet Unterschlupf bei einer Tante in Hamburg wird aber am 16. November von der Polizei bei Kontrollen entdeckt und in Abschiebehaft gesteckt. Sein Antrag auf Asyl wird schnell abgelehnt. Er soll abgeschoben werden …

Momentan befindet sich Miroslav in psychiatrischer Behandlung aber ihm droht weiterhin die Abschiebung.

Tragödie in zweiter Generation (TAZ 08.12.2010)

Bleiberecht für Miroslav Redzepovic!

PE Flüchtlingsrat Hamburg

Aufruf Gruppe Roma Soli Bremen (09.12.2010)

Keiner will uns haben (TAZ 26.11.2002)

Asylbewerber übergießt sich mit Benzin

Es ist so einfach… (Freitag 28.02.2003)

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