BERLIN:Roma-Frau soll trotz schwerer Erkrankung ausreisen

04/04/2018 19:27 0 Kommentar

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Roma-Familie soll trotz schwerer Erkrankung ausreisen. Arzt attestiert Reiseunfähigkeit.

Afredita H., ihr Mann und ihre Kinder wurden aufgefordert, Deutschland zum 4. April „freiwillig“ zu verlassen. Nachdem die Familie dies wegen Afreditas Reiseunfähigkeit (sie ist schwer krank) abgelehnt hatte, wurde sie vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten aufgefordert, am 9. April „zwecks Klärung des Aufenthaltes“ bei der Ausländerbehörde zu erscheinen.

Die Familie verfügt über keinerlei Aufenthaltspapiere mehr, sondern lediglich noch über eine Grenzübertrittsbescheinigung, die sie bei der Ausreise der Passkontrollstelle vorlegen soll.

Die Familie ist verpflichtet, in einer Aufnahmeeinrichtung zu leben und darf nicht arbeiten. Zudem ist sie einer sog. Residenzpflicht für den Raum Berlin unterworfen.

Afredita H. ist schwer krank, sie leidet durch traumatisierende Kriegserlebnisse an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) und schweren Depressionen. Aus diesen Gründen ist sie nicht aus/reisefähig und bedarf dringend einer Therapie, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Ihr Arzt hält jegliche psychische Belastungen und Stresssituation, wie sie eine „freiwillige“ Ausreise/ Abschiebung zweifellos darstellt, für nicht zumutbar.

Die Familie floh nach Deutschland, da sie als Roma in Serbien anhaltenden Diskriminierungen ausgesetzt waren. In einer solch feindseligen Umgebung kann die Frau ihre Traumatisierung nicht verarbeiten.

Afreditas Familie ist 1999 im Zuge des Kosovokriegs vertrieben worden und floh nach Serbien.

Während der Kriege des zerfallenden Jugoslawiens in den 1990er Jahren mussten Roma fliehen – viele nach Deutschland. Mit der Bombardierung des Kosovo 1999 beteiligte sich Deutschland zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg an einem Angriffskrieg.  Moralisch legitimiert wurde dieser am Kriegseinsatz zynischerweise mit einem vermeintlich drohenden Genozid (an den Kosovo-Albanern durch Serben).

Für die in diesem Gebiet lebenden Roma bedeutete die Bombardierung und deren Folgen das Ende ihrer Existenzgrundlage. Viele mussten fliehen, wurden von der Mehrheitsbevölkerung vertrieben, ihre Häuser wurden zerstört oder besetzt.
Afredita und ihre Familie sind nur ein Beispiel für viele Tausend Roma, die ihr Zuhause verloren haben.

Am 8. April ist Internationaler Roma-Tag. Dass die Familie einen Tag danach bei der Ausländerbehörde zu erscheinen hat und abgeschoben werden soll, zeigt, die Geschichtsvergessenheit der deutschen Behörden.

Auch 2018 ist es schwer, dem internationalen Tag der Roma in Deutschland entspannt entgegenzusehen. Wie auch in den letzten Jahren werden schutzsuchende Roma in unzumutbare Szenarien zurückgeschickt. Oder aufgefordert, »freiwillig« auszureisen. Menschen mit Abschiebung zu drohen hat nichts mit Freiwilligkeit zu tun!

Der 8. April ist für uns ein Tag des Widerstandes gegen das Vergessen. Die politische Substanz des 8. April ist, die Stimmen der unterdrückten und von Abschiebung bedrohten Menschen wie Afredita zu verstärken. Diese Menschen kämpfen jeden Tag – am 8. April sollen diese Kämpfe im Fokus stehen.

 

 

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