Boris Pistorius: Verhindern Sie die Abschiebung von Familie S. am 10.09.2013

11/09/2013 12:08 0 Kommentar
  1. Unterstützt das Anliegen von Haris S.! Bereits morgen droht der Familie die Abschiebung!

 

Offener Brief von Haris S.:

Sehr entfernter Herr Pistorius,

ich schreibe Ihnen aus der Landesaufnahmebehörde Bramsche Hesepe.
Ich habe gehört Sie sind ein Mann, der etwas zu sagen hat in der Politik in Deutschland. Vielleicht sind Sie Politiker geworden, weil Sie etwas verändern wollten. Vielleicht haben Sie gesehen, dass das Recht, das Menschen schützen soll, nicht für jeden gilt.

Im Gegensatz zu den meisten unserer Leute haben wir nicht das Angebot der “freiwilligen Rückreise” angenommen, das die meisten, die hier in Containern wohnen – wissentlich oder nicht – unterschreiben. Wir haben vor gerade einmal 11 Tagen davon erfahren, dass unsere Abschiebung bereits arrangiert ist.
Ich bitte Sie unseren Fall noch einmal zu prüfen und mir und meiner Familie damit eine menschenwürdige Zukunft zu ermöglichen.

Wir sind in Montenegro aufgewachsen. Ein Land mit vielen Bergen. Es ist ein schönes Land. Mit vielen Kindern, die zur Schule gehen. Nur gehören wir nicht zu ihnen. Sie sagen dort, wir sind Nichts, wir brauchen keine Bildung.
Es ist ein schreckliches Land. Es hasst uns. Es will uns nicht. Warum nicht?

Wir sind Roma.

Also gehen wir dorthin, wo unsere Stimmen vielleicht gehört werden. Dorthin wo unsere Kinder zur Schule gehen können. Wie kannst du einem Kind sagen es sei NICHTS wert? Du kannst es lieben, aber es erkennt sich auch in den Augen der anderen. Die anderen Augen schauen es wie etwas anderes, etwas Fremdes an.

Wir lebten bereits 4 Jahre in Hamburg-Harburg. Wir Kinder lernten deutsch, wir spielten zum ersten Mal mit anderen Kindern. Aber auch hier war es nicht leicht. Arbeit zu finden, sich zu integrieren war schwerer als gedacht. Wir sind zu neunt.
Meine Mutter muss ein Leben lang Medikamente zur Behandlung der Schilddrüse einnehmen. Ohne Krankenversicherung, Anspruch auf soziale Unterstützung und ausgegrenzt vom Arbeitsmarkt versuchte mein Vater uns irgendwie über Wasser zu halten. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie er das schafft. Wir sind sieben Geschwister. Ich bin der älteste und mit meinen 19 Jahren schon lange erwachsen, denn ich übersetze seit ich denken kann. Meine jüngste Schwester hat einen Herzkatheter und braucht dringend ärztliche Betreuung. Sie braucht diese in Deutschland. Sie ist erst sechs Jahre alt.

Man glaubt uns nicht…

Egal ob ich beim Sozialamt, Ärzten, den Sicherheitsleuten im Lager oder der Ausländerbehörde bin – ich sehe in den Augen, der Menschen, die über mein Leben, mein Kommen und Gehen entscheiden immer Misstrauen. Ich werde immer als Lügner betrachtet. Ich frage mich warum das so ist?

Wir wollten einmal einfach dazu gehören, aber die Möglichkeit haben wir nicht bekommen. Und das ist schade.

Wenn ich bleiben könnte…

dann wäre es eine Verbesserung, ich könnte zur Schule gehen, einen Beruf lernen einfach ein eigenes Leben führen.
Wenn ich zurückgehe erwartet mich dort nur Leere. Auch wenn ich der Beste wäre – es wäre nicht genug. Für sie werde ich immer ein Fremder bleiben, nicht ihresgleichen.

Ich wünsche mir für meine Eltern, …

dass sie ein sicheres zu Hause finden, in dem sie sich geborgen fühlen können. Leider sind es Gesetze, die uns diesen Wunsch verbieten. Diese Gesetze wurden von Menschen gemacht.

Den Politikern möchte ich sagen…

bitte lösen Sie Ihre Wahlversprechen ein! Benennen Sie die LAB nicht einfach nur in “Integrationszentrum” um, sondern halten Sie ihr Versprechen und beenden Sie die unmenschliche Abschiebepraxis!

Haris S.

Petition

http://www.change.org/de/Petitionen/boris-pistorius-verhindern-sie-die-abschiebung-von-familie-s-am-10-09-2013

www logo alle bleiben

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