Kefaet und Selami aus Essen

28/03/2010 22:00 0 Kommentar

Kefaet und Selami aus Essen

Vom 25. bis 28. März 2010 hatte ein Team vom Roma Center Göttingen e.V.. die Gelegenheit in Prizren die kurz zuvor am 17. März aus Deutschland abgeschobenen Brüder Kefaet (26) und Selami (21) Prizreni zu treffen. Ihre Familie flüchtete vor gut 22 Jahren von den unsicheren Zuständen im Kosovo nach Deutschland. Kefaet war damals grade 4 Jahre alt, sein Bruder Selami ist in Deutschland geboren. Beide besuchten in Deutschland Kindergarten und Schule. Sie  sprechen daher fließend Deutsch und Englisch. Ihre Muttersprache, Romanes, beherrschen sie hingegen nicht so gut, da sie in Deutschland nur selten Romanes sprechen mussten. Serbisch und Albanisch sind für die beiden fremde Sprachen.

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Kefaet und Selami in ihrem Zimmer in Prizren

In Deutschland arbeiteten Kefaet und Selami als professionelle Hip Hop Musiker unter den Namen K-Pluto und Gipsy und standen kurz davor aussichtsreiche internationale Tourneeverträge mit Größen der Szene abzuschließen, bevor sie abgeschoben wurden. Ihre geplanten Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz mussten daher, zur Endtäuschung und Empörung Ihren Fans und Freunde, ausfallen. Gründe für die Abschiebung sind ihnen nicht ersichtlich. Die Abschiebung kam für beide völlig unerwartet und verwundert insbesondere da ihre ganze Familie, einschließlich Kefaets Tochter (8) und Sohn (7), in Deutschland leben und nicht von der Abschiebung betroffen waren.

Mittlerweile haben Kefaet und Selami in Prizren, in einer ausschließlich von Roma bewohnten Straße, ein kleines (etwa 10 qm) Zimmer finden können, in dem sie beide seit dem wohnen. Der Strom wird des Öfteren in der gesamten Straße abgeschaltet, immer wenn einige der vielen mittellosen Nachbarn die Stromrechnung nicht bezahlen konnten, und bleibt für mehrere Tage aus.  Dusche und Toilette befinden sich Draußen im freien kombiniert in einer rostigen Metallkabine und die Wasserversorgung wird jede Nacht bis zum Morgen abgestellt.

Kefaet und Selami sind in Prizren ganz auf sich alleine gestellt. Selbst von den ortsansässigen Roma schlägt ihnen meistens nur Misstrauen entgegen, da das Gerücht verbreitet ist, dass Roma, die aus Deutschland abgeschoben würden, Kriminelle seien. Das Leben für Angehörige der Roma hier, ohne den Schutz einer Familie, Geld oder gute Beziehungen beschreiben sie als schwierig bis bedrohlich. Sie berichten, dass Teile der Mehrheitsbevölkerung sich oft sehr schnell gewaltbereit gegen Roma zeigen und schon ein falsch verstandener Blick genüge um sein Leben zu verlieren. Insbesondere das Flirten mit Frauen sei lebensgefährlich.

Dies und vieles anderes, das in Deutschland selbstverständlich oder zumindest einfacher war, ist hier quasi unmöglich. Auch für ihre in Deutschland gestartete Musikerkarriere gibt es hier kaum Entwicklungschancen. Die beiden Brüder sind wütend über diese willkürliche Behandlung und wünschen sich sehr bald nach Deutschland zurückkehren zu können um ihre Familie und Freunde wieder zu sehen und  wieder als gefeierte Musiker weiter arbeiten zu können.

Einige ihrer Songs kann man auf ihren Myspaceprofilen anhören:

www.myspace.com/kpluto
www.myspace.com/gangstalupresgipsy

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