Kundgebung, Europaplatz Kiel 27.8.2015 Alle Roma bleiben hier!

27/08/2015 17:16 0 Kommentar

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am 27.9., fand in Kiel eine Kundgebung unter dem Motto „Alle Roma bleiben hier!“ gegen die (Sammel-)Abschiebungen von Roma in sogenannte sichere HerkunftslĂ€nder statt.

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Schleswig-Holstein im Sommer. Vielen Familien droht die Abschiebung. »Meldeauflage fĂŒr die Bundespolizei am Flughafen« steht auf den Abschiebungsanordnungen,
die zum Beispiel Hamburg verschickt.Die Absender_innen machen es sich leicht: Fotos von den Familien sind direkt mit abgedruckt, die Briefe mĂŒssen dann aufbewahrt und zur Identifizierung am Flughafen vorgezeigt werden. Dabei wissen die EmpfĂ€nger_innen oft nicht einmal, was das ist. Ist das die Abschiebung? Ist es das, was “freiwillige Ausreise” genannt wird? Bei der Zentralen Ausreisekontrolle, auf der Abflugebene zur „AusreiseĂŒberwachung“ sollen sie sich melden. In Schleswig-Holstein sollen sie sich hĂ€ufig einen Tag vorher beim Landesamt fĂŒr AuslĂ€nderangelegenheiten in NeumĂŒnster melden – von dort geht es dann zum Flughafen. „Bitte beachten Sie, dass Sie pro Person maximal 20 kg GepĂ€ck mitbringen dĂŒrfen.“ steht in diesen Briefen. Und dann gibt es noch Kleingedrucktes: „Der Aufenthalt gilt bis zum o.g. genannten Termin als geduldet.“ Mit anderen Worten: Nach Ablauf des Termins erlischt die Duldung. Ganze Familien oder Einzelne stehen mit diesen Briefen in den HĂ€nden vor dem Aus. Menschen, die teilweise seit Jahren Teil dieses Bundeslandes sind. Diese Situation ist fĂŒr viele dann meistens der Abschluss einer langen Phase von Ungewissheit und Bangen ĂŒber die eigene Zukunft. Diese kann nach jedem Termin bei der AuslĂ€nderbehörde anders aussehen.

– Von Sachbearbeiter_innen wird gedroht, sie sollten lieber die sogenannte „freiwillige Ausreise“ unterschreiben, sonst stĂŒnde die Polizei zur Abschiebung vor der TĂŒr. Von einer tatsĂ€chlich “freiwilligen Ausreise” kann also keine Rede sein. – Bis jetzt wurde jede betroffene Person von den Behörden nach einer sporadischen „Àrztlichen“ Untersuchung von einigen Minuten fĂŒr reisefĂ€hig erklĂ€rt. Obwohl zum Teil schwere, attestierte Erkrankungen vorliegen. Die Abschiebung wird dann Ă€rztlich begleitet und die Rechnung dafĂŒr den Betroffenen hinterhergeschickt. – Dolmetscher_innen sprechen in der AuslĂ€nderbehörde hĂ€ufig nur die Sprache des Landes, in das abgeschoben werden soll. Wie zum Beispiel Serbisch. Dabei sprechen viele Roma nur Romanes. So kommt es zu falschen Übersetzungen und die Leute verstehen nicht, was besprochen wird.

Eine weitere große Belastung ist die Situation in den Erstaufnahmeeinrichtungen, wie zum Beispiel im ĂŒberfĂŒllten NeumĂŒnster. Am 18.08.2015 wurden 1.780 Personen auf dem GelĂ€nde untergebracht – bei 1700 PlĂ€tzen. Viele mĂŒssen auf Matrazen auf dem Flur schlafen. Auch sehr kranke Menschen mĂŒssen in dieser provisorischen Einrichtung leben. Ein GefĂŒhl der Ausgrenzung und Isolation entsteht hier durch den hohen Zaun um die Unterkunft herum. Viele von uns kommen aus Staaten, die die Bundesregierung fĂŒr per Gesetz sicher erklĂ€rt hat: Mazedonien, Bosnien, Serbien. Oder aus dem Kosovo, dass fĂŒr sicher erklĂ€rt werden soll. Dabei ist es fĂŒr Roma in diesen LĂ€ndern alles andere als sicher. Die FluchtgrĂŒnde sind ein gefĂ€hrlicher Mix aus Rassismus aus den Bevölkerungsmehrheiten und den staatlichen Institutionen. Der Zugang zu ArbeitsplĂ€tzen, Bildung oder zur Gesundheitsversorgung ist weitestgehend versperrt.

Zusammengenommen ist die Ausgrenzung lebensbedrohlich, vor allem fĂŒr Kinder, Kranke und alte Menschen. Diese bekannten Fakten ignorieren politische Verantwortliche in der AuslĂ€nderbehörde, der Politik und der Justiz. Die ErzĂ€hlungen werden nicht geglaubt. AsylantrĂ€ge werden als offensichtlich unbegrĂŒndet abgelehnt. Der Druck ist hoch. In diesen Tagen sollen viele freiwillig ausreisen oder sich direkt am Flughafen melden, um sich in lebensbedrohliche ZustĂ€nde transportieren zu lassen. wir fordern: Den Abschiebestopp fĂŒr alle Roma! Ein Bleiberecht fĂŒr alle Roma! Dolmetscher_innen, die Romanes sprechen! Keine Arbeitsverbote fĂŒr Geduldete! Die Möglichkeit die Erstaufnahmeeinrichtungen schneller zu verlassen! Die Atteste der (Fach-)Ärzt_innen dĂŒrfen nicht ignoriert werden!

Romano jekipe ano Hamburg-initiative alle bleiben!-netzwerk antirassistische aktion kiel-Roma Center Göttingen e.V. Roma Antidiscrimination Network (RAN) – Die Kundgebung wird unterstĂŒtzt von:FlĂŒchtlingsrat Schleswig-Holstein e.V.-ZBBS e.V. |FÖRDErverein FlĂŒchtlingsrat Schleswig-Holstein e. V.

Kundgebung mit HIPHOP:

*K.A.G.E (K-flow and Gipsy in exile) | rolling hopp (Essen) | *Prince-H (Essen)

Kiel Kundgebung, Europaplatz Kiel | 27.8.2015 | 16.30-18.30 Uhr Alle Roma bleiben hier!


V.i.S.d.P.: D. Kell, Legienstraße 18, 

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